Freitag – und dann auch noch der Dreizehnte!!!

Ein ungeschriebenes Gesetz in der Seefahrt besagt, dass man an einem Freitag nichts neues Starten sollte, auch nicht am 13ten Tag eines Monats. Zwei negative Vorzeichen könnten das auch wieder ins positive Umkehren, denn man hat ja mal gelernt, das Minus und Minus Plus ergibt. Aber eben nicht in der Seefahrt. Was hat mich also getrieben am Freitag, den 13. den Anker zu Lichten um 3 Meilen weiter nach Le Marin (ich bin zur Zeit in Martinique) zu fahren? Sicher die Unwissenheit über Tag und Datum, doch Unwissenheit schützt ja nun auch vor Strafe nicht. Und so ein ungeschriebenes Gesetz interessiert sich auch nicht dafür, dass ich versuche, nach dem Stress der letzten Monate, herunter zu kommen und mich zu entspannen.

Also ging ich noch vor dem Frühstück am besagten Tag ankerauf, um die Flaute früh morgens zu nutzen. Als der Anker oben war ging ich ins Cockpit und legte den Gang ein. Hoppla, was ist das, dachte ich, als der Gashebel nicht das machte wofür er eigentlich seinen Namen trägt, nämlich Gas geben, um nicht in dem Ankerfeld herumzutreiben.

Potzblitz, da war mir doch mal eben der Gaszug gerissen. Schnell rannte ich wieder zum Ankerkasten und ließ den 20 Kilo Haken wieder in 7 m Tiefe in den Sand sausen. Okay, dachte ich, den Tag haste dir wieder mit Arbeit versaut.

Ich haute mir also einen Kaffee in den Kopf und schaffte es innerhalb weniger Minuten aus einem aufgeräumten Schiff eine Messihöhle zu machen. Ich wusste ja, wo der neue Gaszug verborgen lag, tief unter der Steuerbordachterkoje. Wie gut, dass man ja Vorsorge betreibt. Um an den Gaszug zu kommen musste ich dann den Motorraum freilegen, der sich unter dem Niedergang befindet. Und was stand da nicht alles im Weg! Doch das war noch lange nicht alles, denn die Backbordkoje musste auch frei geräumt werden. In der befand sich neben dem Polster mein Fahrrad, ca. 40 Liter Wasser in einer Kiste, Holzleisten und Eimer usw. Dann war draußen die Steuersäule dran, die musste auseinander gebaut werden um die Mechanik für Gas- und Getriebezug freizulegen.

Chaos machen geht schnell, doch dann ging es mit der schweißtreibenden Arbeit weiter. Ich zog erst einmal den neuen Gaszug durch den Motorraum, dann unter dem 180-Literdieseltank und dann durch eine Öffnung im Cockpitboden durch das Edelstahlgestänge der Steuersäule bis zur Mechanik des Schaltgetriebes. Als ich mich wieder zum Motorraum runter hangelte stellte ich fest, das der neue Gaszug zu kurz war. Ob das am Freitag den 13ten lag oder an der Dummheit des Skippers wollen wir mal hier nicht klären. Das Teil wurde zu kurz bestellt. Verdammte hacke, dachte ich. Was soll´s, wenn du schon das Chaos hier verursacht hast, dann kannst auch gleich den Getriebezug auswechseln, dafür wird der neue wohl langen. Doch auch da stellte ich fest, das es nur ganz ganz knapp passen könnte!

Ich machte das Dinghi klar, nahm den ausgebauten Gaszug, fuhr an Land und nahm den nächsten Bus nach Le Marin. Im Bus fummelte ich dann noch an meinen Geldgurt, um zu schauen ob dort noch Geld drin versteckt war und merkte dabei nicht, das mein Handy auf dem Boden gefallen war. Als ich dann aus dem Bus stieg merkte ich schnell und doch zu spät, das mein Handy mich mit dem Bus verlassen hatte. Verdammter Freitag der Dreizehnte. Was tun? Ich entdeckte meine Sportlichkeit und lief dem Bus hinterher und das bei 30 Grad mit Sandalen und Rucksack. Doch aufgeben ist ja nun auch mal nicht meine Sache. Nach gut einem Kilometer verlor ich in dem Gassengewussel den Überblick, denn von irgendwo musste der Bus ja wieder herunter kommen. Wenn man den Überblick verliert sollte man zum Ausgangspunkt zurückkehren, also rannte ich die ganze Strecke wieder zurück um auf die Rückkehr des Busses zu warten. Zeitnah zu meiner schweißtreibenden Rennerei kam dann auch der Bus mit der netten Busfahrerin. Ich sagte ihr, dass ich mein Handy verloren hatte und es eben suchen wollte. Mitleidig schenkte sie mir in ihrer Entspanntheit ein Lächeln und ich ging zu den hinteren Sitzen. In der Nähe saß ein dunkelhäutiger Rasta und schaute mich unbekümmert und fragend an. Und was soll ich sagen, mein Handy lag immer noch unter dem Sitz und stolz verließ ich den Bus.

Der Preis für das Verdadeln und Wiederfinden meines Handys war das ich vor geschlossenen Geschäften stand, denn es war Mittagspause. Schulkinder, von denen ich mir erhofft, das sie Englisch sprachen, fragte ich nach einem Telefonladen, wo ich mir eine Internetkarte kaufen könnte. Das mit dem Englisch klappte nicht, doch es war zumindest lustig und nett. Doch auch die beiden Läden waren Mittags geschlossen. Also vertrieb ich mir die Zeit in einem Supermarkt und kehrte dann zurück zu den Telefonläden, um dann festzustellen, das ich keinen Ausweis dabei hatte. Von dort ging es zurück zum Ersatzteilladen, wo ich gleich zwei Züge für Gas und Getriebe erstand. Da der Bus, wenn die Geschäfte wieder aufmachen, knapp 3 Stunden Pause macht schlug ich die Zeit mit Läden gucken und Bier trinken tot. Überpünktlich machte ich mich auf dem Weg zur Bushaltestelle, als 20 Minuten vor der eigentlichen Abfahrtszeit ein Bus an mir vorbei fuhr. Ich erschrak mich so, dass ich zur Seite torkelte und in ein Zaun fiel, wobei ich mir an den Drähten mein schönes Duisburg-T-Shirt aufriss. Freitag, der 13te eben.

An der Bushaltestelle saß ein betröppelt drein blickender Typ, der meinte um eine Minute den Bus verpasst zu haben. Die Busfahrer scheinen neben den Abfahrtzeiten auch noch Gleitzeit zu haben und meinen wohl je eher sie ihre Runden gedreht haben, desto früher sitzen sie mit dem Glas Rotwein auf der Terrasse. Der nächste Bus sollte in einer Stunde kommen und ich fing eine Unterhaltung mit dem Typen an, der sich als Deutscher herausstellte. Er hieß zudem auch noch Uwe, ließ sich aber von Ausländern lieber bei seinem zweiten Vornamen Max rufen. Uwe auszusprechen fällt allen schwer und das ausgesprochene Juwi fand er hörte sich zu schwul an. Da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht! Uwe – Max war abgebrannt, zeigte seine frischen Narben einer Herzoperation und hoffte, dass die 99000 Euro Rechnung für zwei Monate Krankenhausaufenthalt in Martinique von seiner heimatlichen Krankenkasse bezahlt werde. Zudem streikte sein Dinghi, mit dem er von Saint Anne nach Le Marin gefahren ist, plötzlich. Als ich ihm sagte, dass es Freitag, der 13te sei, wurde auch ihm alles klar.

Hartnäckig versuchte er per Anhalter weiter zu kommen und tatsächlich hielt ein Handwerker mit seiner Rumpelkammer an und nahm uns mit, denn auch er hatte ein Boot in Saint Anne.

Uwe-Max fuhr ich dann mit meinem Dinghi zu seinem Wharran-Katamaran, wo er gleich von seiner Frau und seinem Sohn zusammengeschrien wurde, wieso er ohne Dinghi nach Hause kommt. Wer von uns beiden nun einen besseren Freitag den 13ten hatte dürft ihr nun beurteilen!!!

 

 

 

Iguacu-Wasserfälle in Brasilien & Argentinien

Iguacu-Wasserfälle in Brasilien & Argentinien

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Iguacu Brasilien

„Sehzeichen“

Ja, ja; nun habe ich mich schon oft genug über die Verschmutzung der Meere muckiert. Dies ist aber nicht alleine ein brasilianisches Problem, auch wenn einem das in dieser wunderschönen Umgebung besonders krass auffällt. Spanien und Portugal waren da nicht viel besser, in den Passagen zwischen den Kanarischen Inseln, wo Delfine und Wale sich tummeln, strömte der Plastikmüll auch neidlos an einen vorbei. Auf den Kap Verden strandete der Müll dann an den recht unbewohnten Nordküsten, wo über viele Kilometer der Müll der menschlichen Rasse ein neues Zuhause fand. Wandern durch ein farbiges Spektakel achtlos ins Meer geworfenen Mülls! Doch halt: Wer wird denn gleich in die Luft gehen. Nehmen wir es positiv. Wir sehen nur 15 % des Plastiks, ähnlich wie bei einem Eisberg, ist der Rest bereits Unterwasser oder hat sich in kleinste Bestandteile aufgelöst.

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Nehmen wir diese Sehzeichen ernst und deuten sie richtig. Da die Meere anscheinend eh schon fast tot sind finden wenigsten die kleinen Fische Nahrung in dem Plastikmüll, wobei sie dann ihre Mägen mit Plastik anreichern, es im Fettgewebe speichern und so wiederum zur Müllbeseitigung beitragen. In Elektronikteilchen befindet sich z.B. ein Flammschutzmittel, was sich auch im Fettgewebe anreichert. Legen wir also einen Fisch auf den Grill schützt er sich und uns damit automatisch vor Verbrennungen.

Auch Lederschildkröten, die am liebsten Quallen fressen vergreifen sich, irrtümlich oder nicht, (wer soll das prüfen?) immer mehr an Plastiktüten. Dies ist zumindest auch wieder gut für die Umwelt!

Im Magen eines Wales, der an der schottischen Küste verendet ist fand man 800 Kilo (!!!)Plastikmüll. Ein wahrer Müllschlucker. Würden wir die Wale wieder mehr schützen und würde sich ihre Population wieder erholen, wären sie gut für die Müllbeseitigung der Müllteppiche, die auf allen Weltmeeren herumtreiben und die die Ausmaße von Zentraleuropa erreicht haben. Sie bilden durch die Strömung eine Art Strudel, der immer mehr Müll anzieht.

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Helfen uns weiter die Wale und Fische den Müll zu beseitigen werden viele Südseeinsel nicht mehr vermüllen. Leider hat ja alles immer zwei Seiten, denn dann werden die fleißigen Müllsammler arbeitslos und können so nicht mehr zum Lebensunterhalt der Familien beitragen.

Weitere positive Eigenschaften dieser Sehzeichen ist z.B. die Nutzung dieser als eine Art Navigationshilfe. In den Bäumen und Mangroven, deren Äste über dem Wasser reichen, hängt immer Plastikmüll. Mit einem geschulten Auge kann man daran den Tidenstand ablesen und auch die Strömungsrichtung erkennen.

Sicher gibt es noch weitere sinnvolle Nutzung der bunten Vielfalt, wenn man sie schon nicht vermeiden kann. Wiederverwendung und Recyclen wäre dabei sicher nicht die schlechteste Idee! Oder??? (Ich dank dem „WWF“ für einen Teil der Informationen)

Illegale erster Klasse?

Unter illegaler Einwanderung (auch illegale Migration oder irreguläre Migration) wird die Einwanderung unter Verstoß gegen die Gesetze des Ziellandes verstanden. Diese Art der Einwanderung führt aufgrund der hierbei begangenen Gesetzesverstöße in der Regel zu rechtlichen oder gesellschaftlichen Sanktionen gegen die Eingewanderten.

Die Ursachen für illegale Migration liegen zum einen in den sozialen und ökonomischen Bedingungen des Ziellandes, z.B. dem Vorhandensein von Arbeitsplätzen, Unterkünften oder sozial-ethnischen Netzwerken vor Ort; andererseits in den Verhältnissen des Heimatlandes, z. B. Gewaltherrschaft, Unterdrückung von Minderheiten oder Armut. (Entnommen: Wikipedia: Thema Illegale Einwanderer)

Jetzt fragt sich bestimmt manch einer: Was soll das und was hat das mit Segeln zu tun? Ganz einfach, denn ab heute bin ich auch ein Illegaler! Sicher nicht Einwanderer, aber zumindest ein illegal Reisender. Nicht das ich darauf stolz bin und auch die vielen anderen Segler sind nicht glücklich mit dieser Situation, doch sie ist nicht so einfach zu ändern, da gewisse Umstände einem Grenzen auferlegen.

Europa schottet sich immer mehr ab durch das Schengener Abkommen und erschwert zudem Reisenden den längeren Aufenthalt innerhalb seiner Grenzen. Nicht Europäische Länder wie Brasilien sagen sich dann zurecht, was ihr mit uns macht gilt dann auch für Euch. So dürfen Reisende aus dem Schengener Raum auch nur 90 Tage bleiben und müssen dann für 90 Tage das Land verlassen. Das wollen Segler aber nicht ohne ihre Schiffe tun und die Häfen sind in Brasilien so sündhaft teuer, das selbst die Reichen unter den Seglern Schluckbeschwerden bekommen.

Brasilien ist ein riesiges Land mit einer Küste von über 4000 Meilen (ca. 8000 km). Für Segelboote, die mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 Knoten (9 km/h) und oft auch weniger unterwegs sind, ist die Reise vom Norden bis zum Süden kaum zu schaffen, will man sich auch noch etwas von dem riesigen Land anschauen. Erfahrene Brasiliensegler klarieren deshalb erst gar nicht in diesem Land ein, sondern warten bis sie eventuell mal von der Küstenwache nach den Papieren gefragt werden. Werden sie danach befragt erklären sie dann, dass sie gerade erst angekommen sind. Nach dieser Erklärung hat man dann 3 Tage Zeit die Einreiseprozedur bei der Policia Federal, beim Zoll und bei der Policia Maritim zu erledigen und ab dann bekommt man ein 3-Monatsvisum.

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Die Segler, die nicht über diese Erfahrung verfügen oder diejenigen, die einen kürzeren Aufenthalt geplant haben klarieren direkt ein und müssen dann nach drei Monaten das Land verlassen, während das Schiff 2 Jahre bleiben darf, wenn man dies beantragt hat. Verzögert sich die Abreise, durch schlechtes Wetter, unvorhergesehene Reparaturen oder aus anderen Gründen überschreitet man schnell die Zeit und dann ist man illegal im Land. So ergeht es mir momentan auch, da ich das eigentliche Ziel Argentinien zu erreichen, verschoben habe.

Im Gegensatz zu Europa ist das in Brasilien aber ein Umstand, der keine so drastischen Folgen wie Gefängnis und Abschiebung nach sich zieht. Fast könnte man meinen das Brasilien den Reisenden ein schmackhaftes Hintertörchen offen lässt, denn mit knapp 3 Euro Strafe pro Tag, die für höchstens 100 Tage entrichtet werden müssen, ist man dabei. Weitere Strafen nach dieser Zeit sind anscheinend im brasilianischen Recht nicht vorgesehen. So lassen es viele darauf ankommen und sind teilweise schon viele Jahre hier. Bei der Ausreise werden viele durchgewunken, da manche Beamte den Aufwand scheuen die Strafe zu erheben. Ich werde nun auch 15 Tage überziehen und am Flughafen eventuell darauf angesprochen. Ich werde also demnächst davon berichteten wie ich als Illegaler hier behandelt wurde. Wohl fühle ich mich nicht dabei, doch noch bin ich recht entspannt.

Was uns von den oben genannten in der Regel unterscheidet ist, dass wir dem Staat kein Geld kosten, sondern unser eigenes in diesem Land ausgeben. Leider ist die Lobby der Segler zu klein, als das man für uns die Gesetzte ändern würde. Und so wird weiterhin ein Teil der Segler illegal in diesem großem Land unterwegs sein und hoffen, dass das Risiko und die Strafen so sind, dass beide Seiten damit Leben können.

Tara wird während meiner Abwesenheit an einer Mooring (am Grund befestigte Boje) festliegen, die im Gegensatz zu den Häfen bezahlbar ist. Die Elektronik wird ausgebaut und bei einem Bekannten sicher im Haus verstaut. Und so hoffe ich, das nach meiner Rückkehr immer noch alles in Ordnung ist und ich keine böse Überraschung erleben werde, sowohl bei der Einreise als auch auf meiner treuen Tara.

Treffen sich zwei Bierdosen…

Treffen sich zwei Bierdosen auf dem Meeresgrund. Fragt die eine die andere: Hattest du auch nichts mehr intus? – Dieser „Möchte-Gern-Witz“ ist von mir und auch überhaupt nicht zu lachen. Wenn man auf der Sonnenseite des Lebens lebt, dann liegt die Messlatte ziemlich hoch und man wird sensibel für die kleinen und großen Störungen des Lebens, vielleicht weil man es sich leisten kann darüber nachzudenken. Lebt man im Slum, dann störten einen Dreck, Lärm und Umwelt wenig, da man genug mit sich selber zu tun hat.

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Nun gehören Buzios, Morro de Sao Paulo und Ilha Grande, um nur einige Dörfer auf meinen bisherigen Weg zu nennen, nicht zu den Armengebieten Brasiliens, sondern zu den aufgrund ihrer Lage und Schönheit der Umgebung privilegierten Orte. Was sie aber mit wohl allen anderen gemeinsam haben ist der Dreck aus Plastik und Dosen. Selbst der organische Abfall von Obst und Früchten wie Limonen, die Hauptbestandteil des Nationalgetränks Caipirinha sind, überfluten die Strände und machen sie recht unattraktiv für das empfindliche Auge.

Gestern bin ich wieder zu einer der Inseln hinaus gerudert, da dort das Wasser sauberer ist und die Fische zahlreicher sind. In kurzer Entfernung sah ich etwas, was ich für Schwimmer eines Fischernetzes hielt und das im üblichen Fahrwasser der Lanchas und Motorboote. Kurzentschlossen ruderte ich dorthin, um mir ein Bild davon zu machen, denn als Segler mag ich diese Netze nicht besonders, es sei denn, sie gehen direkt in die Tiefe und gefährden nicht die freie Durchfahrt der Schiffe. Als ich nah genug heran war entdeckte ich einen Hals habend, das es sich um achtlos weggeworfen Bierdosen handelte. Anstatt sie an Land zu entsorgen werden die Abfälle von den Leuten über Bord geworfen die vom Tourismus leben und eigentlich schon aus Eigeninteresse bewusster handeln sollten.

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Viele arme Menschen in Brasilien sammeln die Aluminiumdosen, um sie als Altmetall zu verkaufen. Überall sieht man sie mit Säcken herumlaufen und die Dosen sammeln. Vor Restaurants warten sie oft geduldig, bis jemand seine Dose leergetrunken hat. Ich selber sortiere die Dosen bei mir aus und sammle sie in separaten Müllbeuteln, damit man nicht meinen gesamten Abfall durchwühlen muss, der dann vielleicht wieder durch die Gegend fliegt.

Brasilien hat noch einen weiten Weg vor sich, was Umweltschutz angeht. Kleine Anfänge sind sichtbar. Eigeninitiativen und kleine Organisationen versuchen darauf aufmerksam zu machen, doch bis dies im Kopf der Menschen ankommt wird es wohl noch lange dauern.

Brasilianischer Triathlon

Tara liegt vor Ilha Grande vor Anker und das schon seit geraumer Zeit. Die Zeit plätschert dahin wie das Wasser am Rumpf. Unaufhörlich, immer präsent und trotzdem ohne große Wahrnehmung. Ich habe meinen Rhythmus gefunden. Die Tage sind gefüllt mit verschiedenen Aktivitäten. Wichtiger Bestandteil ist das Gitarre spielen. Nach 10 Monaten „Selbststudium“ bin ich noch weit davon entfernt ein Virtuose zu sein, doch es gibt niemanden direkt um mich herum, dem die Ohren abfallen könnten (und dabei denke ich an einer ganz bestimmten Person). Dies ist Gehirnjogging pur, denn Akkorde mit der linken Hand, Rhythmus mit der rechten Hand, Melodie, Text und Rhythmus vom Lied fordern volle Konzentration und das in einer Umgebung, die das Auge ständig verführen will abzuschweifen.

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Die verlockende Natur in dieser Bucht, mit ihrem unersättlichen Grün, den Bergen und dem blauen Meer fordern heraus an ihr Teil zunehmen und so wandere ich durch den Dschungel auf schmalen Pfaden die Hänge herauf, den Vögeln und den Affen lauschend, nassgeschwitzt und schnaubend, wie früher als ich noch Langstreckenläufer war.

Nachmittags rudere ich mit dem Dinghi immer weitere Strecken hinaus zu den vorgelagerten Inseln. So ein Dinghi ist kein gutes Ruderboot. Zu viel benetzte Fläche erzeugen zu viel Widerstand, Schwell der vorbei rasenden Motorboot und Lanchas, so wie die Strömung in der Bucht erschweren das vorankommen, doch die sportliche Herausforderung mit eigener Muskelkraft die Schnorchelgründe vor den Inseln zu erreichen ist größer als das ich den kleinen Miefquirl (Außenborder) anschmeißen wollte. Die Belohnung für die schweißtreibende Betätigung bei praller Sonne liegt Unterwasser. Eingetaucht ins abkühlende Nass umgibt mich eine fast schweigsame Welt aus bunten Fischen und Farben, aus Formen die über Millionen von Jahren geschaffen wurden und wohl auch noch Millionen von Jahren bestehen werden. Die Vergänglichkeit ist in den Felsen und Grotten gestoppt, während wir und alles andere Leben um uns herum nur eine gewisse Haltwertzeit besitzen. Die Verschiedenartigkeit der Fische unterliegt unterschiedlichen Strategien des Überlebens. Die einen, wie z.B. die Sardinen sind recht schutzlos ausgestattet, treten dafür aber in großen Schwärmen auf, um so in der Masse zu überleben. Andere wiederum haben giftige Stacheln, die Räubern den Appetit verderben sollen oder blasen sich auf, um plötzlich größer zu erscheinen.

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Der Rückweg mit dem Dinghi kommt mir immer langsamer vor. Die Strudel, die ich mit den Paddeln erzeuge haben im Allgemeinen kürzere Abstände als auf dem Hinweg, was ich der Strömung in die Schuhe schieben möchte. Schwindende Muskelkraft ist in meinem brasilianischen Triathlon aus Waldlauf, Rudern und Schnorcheln nicht vorgesehen, doch waren abends die Gitarre viel schwerer hochzuheben ist als morgens ist mir unergründlich.

Impressionen aus Rio und Ilha Grande

Impressionen aus Rio und Ilha Grande

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Rio de Janeiro, zum Dritten!

Rio – welch schön gelegene Metropole! Zum dritten Mal, nach 1998 und 2001, bin ich nun in Rio – und was soll ich sagen? Sie ist immer wieder faszinierend schön. Die Küste des Atlantiks und die Steilhänge der umliegenden Berge engen die 7-Millionenmetrolpole ein und die Hochhäuser schießen immer weiter nach oben, während die Favelas (die Armenviertel) immer weiter die Berge nach oben rutschen. Die Einwohner, trotz ihrer Probleme, haben sich vielleicht gerade wegen ihrer Schönheit ihre Lebenslust bewahrt. Samba, Fußball und die Strände gehören für die Armen wie die Reichen zum Leben dazu.

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Ich habe mich noch nie unsicher gefühlt und auch diesmal gab es keine Probleme. Vor der Fußballweltmeisterschaft wurde viel für das Image Rios getan und das hat vielleicht heute noch Nachwirkungen positiver Art. Man sieht auch nicht soviel Polizei wie z.B. in Salvador, wo sie alle 50 m standen.

Tara lag im Stadtteil Urca vor Anker und ich lernte schnell Brian und seine Familie kennen, der schon 17 Jahre auf seinem Schiff lebt. Urca ist ein außerordentlich schöner Stadtteil, wo kleine bunte Häuser in engen grünen Straßen stehen und wo auch die Universität beherbergt ist und so ein buntes Leben herrscht. Das Dinghi wurde an einem kleinen Strand mit einer Kette gesichert, wie Brian empfohlen hatte, weniger aus Angst vor Diebstahl, sondern eher wegen der kleinen Kinder die schon mal in ihrer Spiellust übermütig werden und vielleicht mal etwas paddeln üben wollen.

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Ich habe mir dann wieder die Stadt erlaufen, wie ich es am liebsten mag. Urca und die Copacabana sind durch einen Tunnel verbunden, 250 m lang und doch optisch weit von einander entfernt. Copacabana ist ein Stadtteil von Rio und die meisten bringen nur damit den Strand in Verbindung. Der ist sehr breit und die Fußball- und Volleyballakrobaten spielen dort, das es eine Freude ist ihnen zuzusehen. Ballbeherrschung wird anscheinend von klein an gelernt, vielleicht in der Hoffnung mal ein ganz großer Sportler zu werden, um für sein Land bei einer Meisterschaft dabei zu sein. Copacabana, an seiner Promenade mit teuren Hotels für Touristen aus aller Welt reichlich bestückt, ist aber auch ein Einkaufsdschungel. Einheimische und Touristen flanieren im Schatten der Hochhäuser durch die Geschäfte, die von Artikeln des täglichen Lebens bis zum teuren Schickimicki alles bitten.

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Im Hintergrund sieht man dann die Favelas, wo ein Drittel der Einwohner wohl eher um das tägliche Leben kämpft. Drogen, Prostitution, Gewalt, Hoffnungslosigkeit, keine Schulen, keine Ärzte, wo sich nur hochgerüstete Spezialeinheiten der Polizei rein wagen bleiben den Touristen verwehrt. Die Hoffnungslosen und die Vergessenen würden mich viel mehr interessieren als die Strände, doch die kann man sich eigentlich nur in heruntergeladenen Dokumentationen ansehen und vielleicht mal die Hoffnung äußern, das sich dort irgendwann mal die Lebenssituation ändern wird.

Der Zuckerhut (Pao de Azucar), das Wahrzeichen von Rio, hat auch in Urca die Seilbahnstation. Für 20 Euro fährt man über 2 Stationen nach oben, ein teurer Spaß, den sich aber zigtausend Touristen und auch Einheimische täglich leisten und auch ich muss sagen, dass sich an schönen Tagen jeder Cent lohnt.

Der Ausblick ist gigantisch, Ipanema und Copacabana an der Küste, Urca, Botofoga und andere Stadtteile im gesicherten Buchten umgeben von den Bergen und mahnend wacht auf dem Corcovado, dem 710 m hohen Berg, die Jesusstatue.

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Wenn man die Augen vor den Problemen verschließt und man das alles durch eine rosarote Brille sieht, dann kann man Rio noch mehr genießen. Ich sehe aber auch immer von oben die ganze Verschmutzung des Meeres mit Ölfilmen und Plastik und einem Meer, in dem kaum einer Schwimmen geht, was trübe ist und stinkt. So bleibt Rio auch immer eine Hassliebe – und die Frage muss erlaubt sein, ob Brasilien mit seiner steigenden Einwohnerzahl das alles stemmen kann. Die Fußballweltmeisterschaft ist vergangen und die Olympischen Spiele beginnen im nächsten Jahr und man kann nur hoffen, dass die Welt genau hinschaut, die Politiker dies registrieren und härter an den Problemen arbeiten.

Höllenritt nach Rio

Wie oft im Leben fing es harmlos und doch erwartungsvoll an. Der Wetterbericht sagte erst wenig Wind voraus und dann langsam zunehmend aus der richtigen Richtung. Und da ich nicht noch eine Woche länger in Arrial bleiben wollte musste ich auch los, denn ansonsten war Westwind angesagt und 65 Meilen wollte ich auch nicht kreuzen.

Am Abend hatte ich Tara von Arrial zum Strand vor dem Cabo Frio verlegt, um dort alleine die Abendstimmung zu genießen und einen günstigeren Ausgangspunkt für den frühen Start zu haben.

Um 6 Uhr morgens ging der Anker hoch und ich genoss den Sonnenaufgang und das frühe ruhige Wasser. Der Wind schlief noch, doch der Genacker war schon vorbereitet für den kommenden Wind.

Die Thermik brachte erst Landwind und ich lief bald unter Vollzeug in die richtige Richtung und freute mich schon auf Rio, wo ich schon 1998 und 2001 war. Der Wind begann bald zu drehen und ich setzte das bunte Tuch. Mit 5 bis 6 Knoten Fahrt ging es voran und anfänglich deutete nichts auf eine baldige Wetterverschlechterung hin, die ja auch nicht angesagt war. Man sagte 14 Knoten Wind an mit Böen von 22 Knoten, was auf Regenfronten schließen ließ.

Ein paar Fischer kreuzten unseren Weg und weit draußen im tiefen Wasser fuhren Tanker und Frachtschiffe ihre Güter von A nach B. Wir kamen gut voran und ich rechnete mit einer Ankunftszeit zwischen 20 und 22 Uhr. Aus Süden kam immer mehr Bewölkung auf und die Atlantikdünung wurde ernstzunehmend höher und höher. Da musste es irgendwo reichlich Wind geben, dachte ich mir. Als dann auch bald der Wind auffrischte und wir ständig unter Genacker deutlich über 6 Knoten liefen holte ich ihn herunter und setzte wieder Genua und Groß. Mit unverminderter Geschwindigkeit ging es weiter. Die See wurde weißer und weißer und bald lief Tara unter gerefften Segeln. Die angesagten 22 Knoten waren längst erreicht, aber nicht in Böen, sondern als relative Konstante, während der Himmel sich immer drohender verdunkelte und zuzog.

Ein kleines Fischerboot beobachtete ich schon länger, da es fast bedrohlich nahe kam. Letztendlich ging es hinter mir durch und steuerte zielstrebig auf einige Inseln nördlich von uns zu, wahrscheinlich um Schutz zu suchen vor dem was da kommen sollte. Früh schaltete ich daraufhin die Dreifarbenlaterne ein und reffte weiter – und plötzlich ging der schon erwartete Spuk los. Gepfefferte Böen fielen über Tara her, gefolgt von pfeifenden Wind, das Großsegel war längst eingerollt und von der Genua stand nur noch ein taschentuchgroßes Stück. Das war so nicht angesagt und auch nicht erwünscht. Die Wellen waren sicherlich 4 bis 5 m hoch. Im Wellental sah ich nur Wasser um mich herum und auf den Wellenbergen erkannte ich Schiffe und die Lichter von Rio. Wellen mit weißer nach vorne geworfener Gischt dreschten auf Tara ein und explodierte teilweise am Rumpf, ging hoch und überspülte das Deck. In den Böen, die mit 30 bis 35 Knoten daher kamen luvte Tara an und dann lag sie fast quer zur Welle, während sie mit über 7 Knoten dahin preschte.

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Ich steuerte die vor Rio liegenden Inseln an, wo es zwischendurch gehen sollte. Doch in der Durchfahrt schien eine neue Bohrinsel zu liegen. Erleuchtet wie ein Weihnachtsbaum stand sie hoch und bunt, fürs Auge nicht erkennbar, in oder hinter der Einfahrt. Darauf wollte ich mich nicht einlassen, es war eh schon eng dort und bei den Wellen und der Dunkelheit gab es keinen Platz für Spielchen. Zwischen der zweiten und dritten Insel ging es dann letztendlich durch, getrieben von den brechenden Wellen, die immer noch gischtsprühend zum starken Regen die Sicht stark behinderten. Auch die nächste Abkürzung wurde gemieden, zu eng, zu flach, ganz nach dem Motto meines Freundes Hans:“An Vorsicht ist noch keiner gestorben!“

Vor Urca, ein Stadtteil Rios direkt unter dem Zuckerhut, wo auch die Uni beherbergt ist, ging ich nass und leicht frierend zwischen einigen Fischern vor Anker, gespannt wo ich letztendlich gelandet bin, denn das war bei der schlechten Sicht nur zu erahnen und so war ich gespannt darauf was der Morgen bringt.