Tara in Belize

 

Es war ein langer Weg bis hier hin und nun geht es bald wieder zurück, da ein technisches Problem mich nicht so recht frei bewegen lässt  Mein alter Autopilot ist kaputt  Wahrscheinlich 38 Jahre im Dienst der Tara, so alt wie sie jetzt ist  Wahrscheinlich ist es nun die Hitze und die Luftfeuchtigkeit die ihm zu schaffen macht  Audrey hatte der Voreigentümer ihn genannt und so haben wir unseren treuen Helfer weiter genannt  Als Einhandsegler ist man froh über die Technik die einem das Leben erleichtert.

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Und gerade hier in Belize ist sie fast unentbehrlich zwischen den vielen Riffen, die so zahlreich sind das es keine genauen Seekarten gibt. Sehr häufig steht in den Karten nicht genau vermessen  Da segelt man über 20 Metern Tiefe Riffe und plötzlich steigen sie bis auf 2, 3, 4, Meter an und treiben den Skipper in den Wahnsinn, denn niemand will das sein Schiff der Namensgeber des unverzeichneten Riffs wird.

Am Ranguana Cay haben wir unteranderm gelegen. Es ist fast so wie man sich ein Tropenparadies vorstellt  Runde Insel mit Palmen und kleinen Strand, dazu ein Riff.

oznor_vividAuf das Riff hatte ich mich am meisten gefreut. Endlich im klaren Wasser tummeln, meine Achillessehne trainieren, schnorcheln und fotografieren  Leider war das Wasser nur am Ankerplatz auf 7 m Tiefe einigermaßen klar, doch leider am Riff wühlte die Brandung den Untergrund auf und die Sichtweite betrug nur noch ca. 4 Meter  Um so verwundert schaute ich herein als zwei große Adlerrochen majestätisch an mir vorbei glitten. Elegant flogen sie mit ihren getupften Schwingen ruhig und gelassen dahin.

Dann sah ich noch die unverkennbare Flosse eines Hais im Sand liegen  während der Kopf unter einem Felsen lag  Ein ca. 1 Meter großer, harmloser Ammenhai. Ich hatte den Schalk im Nacken und überlegte ob ich ihn in den Schwanz zwicken sollte, doch ich ließ ihn in Ruhe seine Mittagspause.

In der Nacht braute sich was zusammen. Die Funkanlage fing an zu knistern und am dunklen Himmel blitzte es pausenlos. Nachts um 12 Uhr ging der Tanz los  Der Wind heulte auf, die Blitze entluden sich sekündlich und der Donner grollte in die pechschwarze Nacht. An Schlaf war nicht mehr zu denken  Auf den paar Schiffen um mich herum ging auch das Licht an. Ich stöpselte die meisten elektronischen Geräte von der Bordelektrik ab, falls doch mal ein Blitz in den Mast haut.

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Das Tief zog genau über uns herüber und Tara drehte sich mehrfach um die eigene Achse  Ich hatte das sechsfache der Tiefe gesteckt, doch das war wohl bei 25 bis 35 Knoten Wind und aufgewühlter See nicht genug  Irgendwann merkte ich das wir gedriftet sein mussten, was schon sehr beunruhigend war, doch wir drifteten nicht weit und zum Glück in die richtige Richtung. Weg von den anderen Booten und vom Riff.

Es wäre keine Freude gewesen nachts im Gewittersturm alleine den Anker einzuholen und wieder auszubringen. Doch alles ging gut und mein guter Rocna Anker, der aus dem Seegras ausbrach, fand alleine neuen Halt im Sand. Auf der einen Seite beruhigend, andererseits auch wieder nicht.

Seegras ist für alle Anker ein schwieriger Untergrund  Die Spitzen der Anker ziehen das nur oberflächlich verwurzelte Seegras aus dem Untergrund und reißen es mit und finden dadurch keinen Halt mehr  Beim nächsten Mal werde ich noch mehr Kette stecken, denn eine alte Weisheit sagt, dass eine Kette nur gut ist, wenn sie nicht im Ankerkasten liegt, sondern auf dem Meeresgrund

 

Ende des Weihnachtsmärchens! Zweiter Teil!

Der Krankenwagen hatte mich nach Morales gefahren, weil es angeblich in Fronteras keinen guten Arzt gab, doch der Notarzt im Krankenhaus hatte nun gar keine Ahnung gehabt. Mit dem Spruch, dass wenn meine Verletzung nach 5 Tagen nicht weg sei ich zu einem anderen Arzt gehen sollte, hatte er das Höchstmaß an Inkompetenz erreicht.

Wie ich von den jungen Damen erfuhr gab es 200 m weiter bei uns in Fronteras einen Arzt der auch ein Ultraschallgerät hatte. Ich machte mich schwer humpelnd auf dem Weg um diesen Arzt aufzusuchen, als plötzlich mein Schreiner Carlos neben mir mit einem Roller hielt. Ich schwang mich auf sein Gefährt und er fuhr mich zu dem Doktor. Nachdem ich 50 Euro für die Ultraschalluntersuchung bezahlt hatte war ich auch schnell dran und der Arzt war auch in der Lage die richtige Diagnose zu stellen. Danach fing er an meinen Fuß zu verbinden, doch hoppla, da musste ich insistieren, denn es machte doch offensichtlich mehr Sinn den verletzten Fuß zu bandagieren anstatt den rechten gesunden.

Nach dem Fauxpas ging er anschließend an sein Telefon und rief ein Freund in Guatemala City an und fragte nach einer Empfehlung für den besten Orthopäden. Nach zwei Minuten bekam er die gewünschte Antwort und rief dann sofort den Orthopäden an. Dieser gab Anweisung das ich in Guatemala City erst zu einem Röntgenlogen gehen sollte der ein gutes Ultraschallgerät hatte und ich dann mit der Diagnose zu ihm in die Praxis kommen sollte.

So fuhr ich am nächsten Morgen mit kleinem Gepäck mit dem Bus nach Guatemala City. Für die 350 km brauchte der Bus 6, 5 Stunden. Ich hatte ein Hotel gebucht und musste reichlich Treppen bis zu meinem Zimmer steigen. Gefühlte 50 Stufen dachte ich mir. Beim Nachzählen kam ich dann auf 51 Stufen hoch und 4 wieder runter um zu meinem Zimmer zu kommen. Und das mit einem Fuß, der durch die abgerissene Achillessehne keinen halt mehr hatte. Ich sah es sportlich, überlegte ob ich das Hotel wechseln sollte, doch Giovanni der Hotelbesitzer war so nett und hilfsbereit das ich mich dort gut aufgehoben fühlte.

Am nächsten Tag ging es zuerst zu dem gewünschten Röntgenloge bei dem ich fast 6 Stunden saß um eine Ultraschaltuntersuchung machen zu lassen und einen Arztbericht zu bekommen. Der Arzt war so schlecht nicht, doch vor und nach der Untersuchung daddelte er sofort mit seinem Handy herum, Hauptsache war anscheinend das er immer einen Bildschirm vor der Nase hatte. Danach ging es zu dem Orthopäden, der einen guten Eindruck machte, sehr gut Englisch sprach und offensichtlich auch ein guter Operateur war. Er bescheinigte mir auch noch mal das es operiert werden müsste. Mittlerweile hatte ich eingesehen das ich dafür besser in Deutschland aufgehoben wäre. Vor allem die Nachsorge war nicht in Guatemala zu machen. Auch war mir nicht bewusst, ob sie dort den richtigen orthopädischen Stiefel für mich hatten. Ich hätte während der Rekonvaleszenz nicht auf meiner Tara leben können, sondern hätte in ein Hotel ziehen müssen. Einkaufen und Kochen währen auch nicht möglich gewesen.

Am Baldeneysee

Ich verschrieb mir Pflegestufe 3 und setzte mich mit meiner Auslandskrankenversicherung auseinander und so begann ein zäher bürokratischer Weg mit langen Wartezeiten. Der Höhepunkt meiner Verunsicherung wurde erreicht als man mir von meiner Auslandsversicherung sagte, dass ich, wenn man mich nach Deutschland fliegt, ich mit der Landung nicht mehr versichert bin. Ich war geschockt! Ich dachte, wenn man einen Schadensfall hat wird er von A bis Z bezahlt, doch man sagte mir, dass man gewinnoptimiert handeln müsse und Kosten senken müsse. In Deutschland war ich nicht versichert und man wollte mich gleich ins Krankenhaus fahren. Ich sah mich also schon meine OP selbst bezahlen. Ich sah es irgendwie nicht ein das nun eine andere Krankenversicherung meine Rechnungen bezahlen sollte bei der ich vorher keine Prämien eingezahlt hatte. Doch hier wird von der Auslandskrankenversicherung ein Gesetz von 2017 genutzt, was besagt, dass niemand der in Deutschland registriert ist ohne Krankenversicherung sein darf. Und so musste mich meine AOK wieder aufnehmen. Jetzt bin ich schon lange mit meiner AOK sehr zufrieden und ich denke ich schwöre ihr ewige treue.

Ich hatte eigentlich die Hoffnung, dass ich eventuell noch mal zu meiner Tara fahren könnte, um das aus dem Wasserholen zu organisieren, doch das gelang mir nicht. So lag ich in meinem Zimmer und wartete 3 Tage bis eine Entscheidung kam und ich einen Heimflug bekam. Der Anruf kam am späten Vormittag. Ich könnte abends um 18 Uhr mit Iberia über Madrid fliegen oder am nächsten Tag mit Lufthansa über Mexiko nach Frankfurt. Ich entschied mich für den Iberia Flug. Freitags abends landete ich in Düsseldorf und wurde von einem Krankentransporter abgeholt. Im Krankenhaus, keine 50 m von Birgits Wohnung entfernt meinte man, das die Schwellung noch zurückgehen müsste und ich direkt nach Weihnachten zur OP kommen sollte.

Am 27. Dezember wurde ich dann in der Uniklinik operiert. Spontan muss man fast sagen, denn ich stand nicht auf dem OP-Plan. Da hatte wohl jemand geschlammt. Auch mit meiner Entlassung ging es hin und her. In der Ambulanz sagte man mir das man die Achillessehne ambulant operieren könne, doch ich besser einen Tag dableiben sollte. Dem stimmte ich zu. Am OP-Tag

sagte der Operateur das ich mindestens 3 Tage bleiben müsse, auch gut dachte ich, doch am ersten Tag kam abends die Nachtschwester und ich könnte am nächsten Morgen gehen. Die Fallpauschale hatte zugeschlagen. Übler als die organisatorischen Oberflächlichkeiten war dann das man mir unter meinem Airwalker die falsche Sohle gemacht hat, nämlich die für Sprunggelenksverletzungen und die die Keilsohle für Achillessehnenverletzungen. Hätte man das in Guatemala besser hinbekommen?

Alles weitere lief nach Plan und vier Tage nach meiner OP hatte ich schon den ersten Termin bei meiner Physiotherapeutin die mich mit den Worten „Ach, der Weltumsegler“ begrüßte. Sie war auf meinem Vortrag im Oktober im Segelclub gewesen, ohne das ich sie wahrgenommen hatte. Dort war ich bestens aufgehoben und wurde wieder fit gemacht.

Ein Jahr wollte ich weg bleiben, und nun liege ich auf der Couch im Wohnzimmer und halte das operierte Bein schön hoch und habe Zeit auf meinem neuen Laptop zu schreiben nachdem mein anderer neuer Laptop auf dem Boot geblieben ist.

Gerne hätte ich Weihnachten mit den Kindern in Guatemala gefeiert. Wir Segler wurden gebeten Weihnachtsgeschenke für die armen Kinder zu kaufen. Die Kinder wollten tanzen und singen und es wäre sicher ein tolles Erlebnis geworden die freudenreichen Kindergesichter zu sehen, wenn sie ihre Spielzeuge vom Weihnachtsmann bekommen haben. Sehr Schade, aber in Unfälle steckt man nicht drin!

Karibik 2018 / 2019

+——oder was davon über blieb!   Teil 1

Ich wollte schon seit längerem wieder Schreiben, doch leider kommt es manchmal anders als man denkt. Meine Tara machte dabei die wenigsten Probleme. Der Tot meines Bruders hat mich zurück geworfen, aber auch schlecht funktionierendes Internet und drei kaputte Computer an Bord.

Aber Schluss mit den Entschuldigungen. Die Lust zu Schreiben ist da, am liebsten lustige Sachen. Aber lustig ist nicht immer, denn rechtsradikale Segler trifft man auch schon mal. Sie sind immer noch die Minderheiten, haben grundsätzlich einen Lattenschuss und sind in ihrer kleinen Welt komplett Spaß befreit. Aber dazu vielleicht zu einem später Zeitpunkt mal ein Bericht.

Jetzt mal was aktuelles. Ich habe meine Tara zur Zeit in Guatemala liegen. Auch dort war die Einreise zwar unkompliziert, aber mit 487 US-Dollar doch recht teuer. Dafür sind die Marinas gut und günstig (1200 Euro für 6 Monate) und auch die Arbeiten, die die Menschen dort machen sind von guter bis sehr guter Qualität und auch wieder sehr günstig. So habe ich mir dort für 1400 US-Dollar eine neue Sprayhood, einen großen Sonnenschutz von ca. 14 m² und ein Dinghi Cover machen lassen. Auch habe ich dort nun ein Wassermacher eingebaut und vieles mehr. Mein Energiehaushalt auf der Tara ist so gut, das ich den Mehrverbrauch des Wassermachers aus meinen Solarzellen kompensieren kann.

Ich hatte 6 Wochen an meiner Tara gearbeitet, so lange wie noch nie und sie war in einem Topzustand, als sie dann ins Wasser kam.

Beim Starten des Motors stellte ich fest, das das Vorglühen plötzlich nicht funktionierte. Eine Glühkerze war kaputt und hatte einen Kurzschluß erzeugt, zwei Kabel am Motor miteinander verschmolzen und das Relais kaputt gemacht.

Kein großer Schaden. Der herbeigerufene Mechaniker konnte die Glühkerzen nicht in Fronteras besorgen und ich bot an sie am nächsten morgen im 45 Kilometer entfernten Morales zu besorgen.

Am nächsten Morgen habe ich mich dann auf dem Weg gemacht und kam 30 Meter weit, dann übersah ich eine kleine Kante, rutschte aus und spürte einen Schmerz in meiner Wade und wußte sofort, dass sich meine Achillessehne verabschiedet hatte. Der Ärger darüber war größer als der Schmerz und so verabschiedeten sich auch sofort die Pläne für die neue Saison 

Boot Ausstellung

 

Ursprünglich hatte ich die Überlegung über Belize, Mexiko, Kuba, Jamaika, Kolumbien nach Panama zu segeln und dann im Mai durch den Panama Kanal zu gehen und dann die knapp 7000 Meilen nach Vancouver zu segeln. Mich reizten mal wieder die kälteren Regionen und ich wollte 2 oder 3 Saisons in Kanada und Alaska verbringen.

Dieser Plan wurde aber auch schon über den Haufen geschmissen, nachdem ich anhand meiner Bücher an Bord der Tara feststellte, das ich für die Umsetzung dieses Plans bereits im Februar durch den Panama Kanal müsste.

Der neue Plan sah so aus das Birgit und zwei weitere Freunde Anfang Februar nach Mexiko kommen und von dort aus sollte es nochmal nach Kuba gehen. Anschließend wollte ich dann wieder alleine über Jamaika und Honduras nach Guatemala segeln.

Durch den Unfall wurde aus diesem Plan auch nichts und die Flüge meiner Freunde verfielen leider ungenutzt.

Im Krankenwagen wurde ich dann mit Blaulicht nach Morales gefahren, wo ich ja sowieso hinwollte, nur nicht auf diese Art und Weise. Das Blaulicht war nötig, nicht unbedingt wegen mir, sondern wegen einer jungen Dame die hochschwanger schreiend in den Wehen hinter mir auf der Bahre lag. Ein bißchen machte ich mir Hoffnung, das sie sich nach meinem Namen erkundigt und das das Kind dann vielleicht Uwe Carlos oder Miguel Uwe getauft würde.

Aber sie hatte natürlich genug mit sich selbst und ihren Wehen zu tun, während die anderen im hinterem Teil des Wagens in freudiger Erwartung herum scherzten.

Die Blaulichtfahrt im Krankenwagen zog sich länger als erwartet, da weder vorausfahrende Autos noch Lkws auf Blaulicht und Sirene reagierten. Mit störrischer Gleichgültigkeit fuhren sie dahin, in ihren eigenen Gedanken verstrickt sahen sie die Notwendigkeit nicht an die Seite zu fahren. Auch der entgegen kommende Verkehr kannte die Bedeutung der Signale nicht und hielt fleißig auf uns drauf, so daß waghalsige Überholmanöver unsererseits die Folge war.

Im Krankenhaus angekommen, kam gleich der Notarzt und ich musste mich hinter einem Vorhang auf eine Bahre legen. Wasser- und Schimmelflecken an der Decke machten keinen vertrauenerweckenden Eindruck. Und auch der Notarzt brachte das Vertrauen nicht zurück.

Ich sollte den Fuß mal hoch und runter bewegen, dann mal nach links und rechts und dann mal kreisen, worauf der Arzt meinte das der Knochen nicht verletzt sei und ich mal ein paar Tabletten einnehmen sollte, dann wäre das Bein nach 5 Tagen wieder in Ordnung. Mein bitten und insistieren sich doch mal die Achillessehne anzuschauen und diese dann mit der gesunden Sehne des rechten Fußes zu vergleichen ignorierte er und war weiter überzeugt, das alles nach 5 Tagen mit Tabletten vorbei sei. Falls nicht könnte ich ja immer noch zu einem anderen Arzt gehen.

Verletzung hin oder her, nun war ich einmal in Morales, da konnte ich mich auch wie geplant um die Glühkerzen kümmern. Ich nahm mir ein Tuk Tuk, ein dreirädriges Mobil und zeigte dem Fahrer was ich wollte und wo ich hin musste. Dem Fahrer war das besser bekannt als mir und so fuhr er mich im strömenden Regen zum ersten Autoersatzteilhändler und dann nochmal 20 m weiter zum zweiten. Wir fanden sehr ähnliche Glühkerzen und man meinte das das kein Problem sei. Ich wollte mir das noch mal von einem echten Mechaniker bestätigen lassen und so fuhren wir noch zu einem Mechaniker der ebenfalls der Meinung war das dies kein Problem sei.

Nachdem ich den Kauf getätigt hatte fuhr mich der Tuk Tuk Fahrer zur Haltestelle der Colectivos. An der Haltestelle der Colectivos bot sich eine junge Frau an mich zu heiraten. Ein netter Scherz, der ihr fast zum Verhängnis hätte werden können, denn Pflegepersonal hätte ich gebrauchen können. Und jung und kräftig war sie. Doch bevor wir unsere Zukunft planen konnten kam auch schon mein Minibus. Das Colectivo war voll besetzt und ich bekam nur einen Stehplatz, wo ich dann auf einem Bein und mit krummen Rücken stand, bis sich eine junge Frau erhob und mir ihren Platz anbot und es dann zurück nach Fronteras ging.

In Fronteras besorgte ich mir erst ein mal eine Telefonkarte um in meiner Unbeweglichkeit unabhängig zu sein. Die jungen Frauen die mir die Karte verkauften und mein Handy einrichteten waren ausgesprochen hübsch. Sexy sells ist wohl auch in Guatemala eine Masche die Erfolg verspricht.

 

Martins Tod!

Dies ist ein kleiner Nachruf auf eines unser Seglerkameraden. Martin, ein englischer Hüne ist am Tag meiner Ankunft in Chaguaramas auf seinem Boot gestorben. Martin lag mir gegenüber mit seinem Schiff. Seine Yacht stand schon 7 Jahre an Land und Martin schaffte es körperlich nicht mehr sein Schiff fertig zu machen. Sein Rücken machte ihn schwer zu schaffen, aber auch der Alkohol.

Manchmal sah man ihn tagelang nicht aus seinem Boot kommen und man sorgte sich ob er vielleicht schon Tod sei. Dann klopfte man vorsichtig am Rumpf und meistens bekam man ein Lebenszeichen.

Martin war sehr intelligent, ein guter Zuhörer, unaufdringlich, geduldig, ausgestattet mit großem Allgemeinwissen und ein guter Erklärer.

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Gefallen hat mir vor allem, das er sich nie beklagt hat über seine Situation. Er hat niemanden dafür die Schuld gegeben. Er hat alles geduldig ertragen.

Im Juli hatte er plötzlich sein Boot verkauft, ein substanziell gutes Schiff. Wenig gebraucht, da er es erst 2001 bauen ließ. Der neue Eigner hat auch die ausstehenden Rechnungen bei Coral Cove bezahlt, das Boot zu Wasser gelassen und Martin erlaubt es weiter zu nutzen, bis er es dann übernimmt.

Vielleicht hatte Martin gespürt das es zu Ende geht und er hat alles vorher noch geregelt. Das Boot war verkauft und er war schuldenfrei – vielleicht ein guter Zeitpunkt loszulassen.

Mir wird er als Gentleman in Erinnerung bleiben – und als ein feiner Segler!

Werftleben

Die erste Nacht auf meiner Tara war warm und eng und so sollte es noch zwei Wochen bleiben. Ich war froh meine Tara unbeschadet vorgefunden zu haben. Selbst mein nicht abgeschlossenes Fahrrad stand noch unangetastet vor dem Schiff. Niemand hatte eingebrochen, aber es gab ungeliebte „Gäste“. Ameisen haben den Weg ins Cockpit gefunden und sich glücklicherweise nur in der Backskiste mit den Schoten und Festmachern breit gemacht. Schlimmer dagegen waren die Kakerlaken die ihren Weg ins Innere gefunden haben. Es war im überschaubaren Rahmen. Kakerlaken gibt es seit Urzeiten und sie sind einfach nur lästig, ansonsten tun sie wohl nicht viel. Ich habe ihnen gleich mal wieder den Kampf angesagt. In den Tropen muss man leider mit ihnen immer rechnen. Fallen wurden ausgelegt und Insektenspray versprüht.

Schlimmer hat es 4 oder 5 andere Schiffe in meiner unmittelbaren Nähe erwischt. Sie wurden von einem Einheimischen aufgebrochen und Teile mit geringem Wert gestohlen. Die Elektronik blieb dabei in der Regel verschont.

Bei Bernhard hatte man seinen guten, mit Vanille aus Madagaskar eingelegten Rum gestohlen. Der Dieb wurde von der Überwachungsanlage von Coral Cove gefilmt und anschließend verhaftet. Ein einschlägig bekannter Einbrecher der nun im Knast auf sein Prozess wartet.

Wer meint, dass das nun in Trinidad gefährlich ist möchte ich entgegnen, dass man bei mir zuhause bereits zweimal in meiner Abwesenheit eingebrochen hat.

Mein Fahrrad wollte ich schon lange verschenken, daher habe ich es auch nicht abgeschlossen, doch es sollte sich in den nächsten Wochen als sehr nützlich erweisen. Zum einen als Lastenesel und zum anderen um die langen Wege zu den Händlern und Handwerkern, deren Dienste ich in Anspruch nehmen wollte zu verkürzen.

Unzählige Arbeiten mussten erledigt werden. Es waren so viele, dass sie im Nachhinein nicht mehr alle auf zählbar sind. Am meisten Sorgen machte mir die entdeckten kleinen Haarrisse am Bugstrahlruder, die sich letztendlich als kleineres überschaubaren Übel darstellten, da sie nur in der Oberfläche waren. Trotzdem wurde geschmirgelt, gereinigt, gespachtelt und 8 mal mit Epoxidharz gestrichen und laminiert, bis am Ende das neue Antifouling alle Arbeit überdeckte.

Der neue Sonnenschutz aus Duisburg wurde angebracht und er passte super gut. Meine Schablone war also exakt und Freund Peter hat es mal wieder sehr gut verstanden das umzusetzen.

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Die Solarzellen sollte nun über das neue Bimini installiert werden, dafür mussten noch zwei neue Edelstahlrohre zugeschnitten und gebogen werden. Die ließ ich bei Mitch machen, der auch schon die anderen Rohre für mich gebaut hat.

Bei dem deutschen Ingenieur Klaus musste ich noch einen neuen Schaft für die neuen Gelenkköpfe der Ruderanlage drehen lassen und noch einiges mehr. So war am Ende die Ruderanlage mit 6 neuen Kugellagern, 2 Gelenkköpfe, Schubschaft und einem 8 mal lackierten Steuerrad rundum erneuert und sollte wieder 30 Jahre halten.

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Der Wasserpass musste neu gemalt werden. Eine lästige Arbeit, vor allem wenn man bedenkt, dass ich das bereits im vorigem Jahr tat. Doch da taugte die Farbe die angemischt wurde nichts. Bereits nach einem Monat fing sie an Luftblasen zu bilden und zu blättern. Als ich das dem Hersteller sagte, meinte er, „Dafür war sie günstig“! Das ich nicht nach günstig gefragt hatte sondern nach einer guten Farbe schien er zu ignorieren. Da ich nun dreifachen Aufwand hatte wurde aus dem günstig sehr teuer. Ich kaufte also woanders meine Farbe, von einem international anerkannten Hersteller. Und da machte auch gleich der erste Anstrich glücklich und zufrieden.

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Meine Elektronik wurde überprüft. Ich hatte überlegt Plotter und Radar auszutauschen, doch nachdem ich alle Kontakte gereinigt und mit einem Schutzöl besprüht hatte lief sie wieder zuverlässig. Kosten von 3 bis 4000 Euro wurden auf einen späterem Zeitpunkt verlegt.

Dafür war die Toilette mal wieder dran. Ein sehr ungeliebte Arbeit, weshalb ich auch Fliesenlegermeister geworden bin und nicht nach alter Familientradition Installateur. Ich hatte neues Werkzeug aus Deutschland mitgebracht und das erwies sich als sehr nützlich. Schrauben die ich im Juni nicht öffnen konnte ließen sich nun demontieren. Ein neuer PVC- Stutzen wurde eingeklebt und die Toilette war wieder dicht. Dichtungen wurden noch ausgetauscht usw. Ein Tag bevor mein Besuch aus Deutschland kam ging Tara ins Wasser. Alle 7 Seeventile, die ausgebaut und neu gefettet waren, waren dicht, der Motor sprang nach einer Sekunde an und die Wasserpumpe arbeitet wieder zuverlässig.

Bis zum großen Aufräumen und bis zur Endreinigung war es noch ein langer Weg. Die Segel mussten noch angeschlagen werden, die Sprayhood bekam ein zu öffnendes neues Fernster eingebaut und musste noch angebracht werden und die Solarzellen bekamen neue Stecker.

Nach 3 Wochen intensiver Arbeit konnte Tara wieder in See stechen – auf zu neuen uns unbekannten Ufern.

Karibik 2017 / 2018

Wenn man eine Reise tut!

Ich bin wieder da, zurück auf meiner Tara in Trinidad & Tobago! Meine Anreise war geprägt von einigen kuriosen Ereignissen . Birgit und ich mussten um 0430 Ortszeit Essen aus den Federn, auch Birgit kämpfte sich tapfer aus dem Bett um mit mir zu frühstücken und mich dann wenigstens noch bis Düsseldorf Hbf zu begleiten. Obwohl sie noch sehr müde war schenkte sie mir das eine oder andere strahlende Lächeln und so konnte der Tag beginnen. Wir waren überpünktlich und nahmen dann auch gleich mal einen Schienenersatzverkehr und eine S-Bahn früher als geplant zum Düsseldorfer Hauptbahnhof.

Ich mag die Morgenstimmung, sowohl das auch um diese Uhrzeit beschäftigte Treiben um mich herum, als auch den Blick in die teils müden Gesichter die einen arbeitsreichen Tages entgegen schauen, während ich, bepackt mit 2 Rucksäcken und 32 Kilo Gepäck mir mal wieder eine 6 – 7-monatige Auszeit gönne, zum Schonen meiner langsam knirschenden Knochen und der Flucht vor dem Dingeling in der kalten, dunklen Weihnachtszeit.

Am Bahnhof viel mir eine alte Frau auf, schmuddelig gekleidet, mit Gummiklogs an den Füssen, die laut versuchte die Reste aus einem leeren Pappbecher zu schlürfen. Vom alter her dachte ich es gönnte auch meine Mutter sein. Sie trug eine blumige bunte Tasche und schlenderte Diagonal zur Hauptfußrichtung der Massen.

Plötzlich rannte ein Mann umher und fragte ob jemand jemanden gesehen hat der eine blumige bunte Tasche dabei hatte. Mehrere Leute zeigten in die Richtung wohin die alte Frau entschwand. Der Mann rannte ihr hinterher, stellte sie und forderte die Tasche zurück, was die Frau auch anstandslos machte. Daraufhin schlenderte sie gleichgültig, an ihrem leeren Becher saugend weiter und die Szene löste sich auf. Unmittelbar danach kam die Lautsprecherdurchsage in englischer und deutscher Sprache, das man auf sein Gepäck achten soll und es nicht achtlos herumstehen lassen soll. Um was hätte die Frau den Mann wohl gebracht? Eine Tasche voller Geld? Oder einer Thermoskanne voller duftenden Kaffees und ein paar liebevoll üppig belegter Sandwichs? Einen wärmenden Schal und ein paar Socken?

Der Abschied an der Bahnsteigkante von Birgit war durch die pünktliche Abfahrt geregelt. Gerne hätte ich meine Birgit noch länger im Arm gehalten, aber der Zug war pünktlich und gönnte uns keine Extraminuten mehr. So war der Abschied viel zu kurz und schmerzhaft, aber für mich ging es unaufhaltsam mit 300kmh nach Frankfurt. Die Menschenmischung auch hier ein Sammelsurium aus Urlaubern, Anwälten und Buchhaltern, alle wichtig mit Unterlagen und Akten beschäftigt, wobei das Handy ein nicht aus den Händen zu lassendes Utensil blieb.

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Mein Gepäck war zu dieser früher Stunde schnell am Flughafen aufgegeben und ich hatte Muse mich auf einen Stuhl setzten und schaute dem internationalem Treiben zu. Eine bunte Mischung aller Couleur und Religionen die sich sicher fühlen sollten durch starke Polizeipräsenz mit Maschinengewehre. Wie das wohl ist, wenn man in der Masse auf einen einzelnen Täter schießt? In der Militärsprache würde die Meldung wohl lapidar lauten:“Reichlicher Kollaborallschaden!“ Was haben die auch so ein schlechten Umgang!

Ein mit einem Kofferkuli umherfahrender Mann fiel mir auf, weil er keine Hartschalenkoffer mit sich führte sondern nur Tüten für den Nahverkehr von einer Mülltonne zur anderen. Mülltourismus mal anders. Und er war nicht der einzige. Auch andere hetzten im Laufschritt umher um sich von den Resten anderer zu ernähren oder um Pfandflaschen zu sammeln, die auch manchmal voll waren, da sie ja nicht mit durch die Sicherheitsschleuse genommen werden durften. Ein sicherer Arbeitsplatz – trotz Mitbewerber, Polizei gesichert, warm und klimatisiert, weihnachtlich geschmückt mit sauberen Toiletten. Wer hat das schon?

Da musste ich dann auch mal hin, zum Örtchen, doch die ganze Reihe war International belegt. Vor allen Dingen die Chinesen wollten wohl zur Verbesserung ihrer Ökobilanz Ballast abwerfen. Und einer unterhielt entspannt noch eine halbe Stunde alle anderen hinter verschlossenen Türen, indem er wohl eine Videokonferenz mit seiner Familie in Shanghai oder Peking führte. Seine Frau und seine Kinder erzählten abwechselnd ihre Geschichten über den dröhnenden Lautsprecher, vielleicht auch vom Gemeinschaftsklo. Vielleicht hat der Papa auch ein Video gedreht von seinen Hinterlassenschaften in der Schüssel und hat seinem lachenden Sohn gesagt, das wenn er groß ist, das auch mal kann? Ich kann nur vermuten was er gesagt hat, doch wie ich mich kenne wird es schon richtig sein.

Auffallend bei dem Toilettengang war nur das eine Sprache wohl International war und wohl auch die einzige weltweit bleiben wird und die kommt nicht aus dem Mund.

Wie der ungewollte Zufall es wollte war auch in diesem Jahr Roland mit an Bord meines Fliegers. Er, Biobauer und Drachenfluglehrer und Segler auf dem Weg zu seinem Schiff, was 20 m von meinem entfernt steht. Auch er macht sich so Gedanken über seine Ökobilanz. Das Tourenfliegen in den Alpen von einem Land in das Nächste ist sicherlich ökologisch gesehen das Beste was man seiner Umwelt antun kann. Und auch als Biobauer ist er vorbildlich, doch sein Gewissen ist schon ziemlich angefressen wenn er darüber nachdenkt, das er nun mit einem Großraumflieger zu seinem Schiff fliegt und dann auch noch Antifouling der giftigen Sorte auf sein Unterwasserschiff streicht um diesen vor ungewollten Bewuchs zu schützen. Wir leben in Widersprüchen.

 

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Nach 10 Stunden Flugzeit sind wir in Tobago angekommen. Der Tresen mit den Zollleuten war nicht üppig besetzt. Zwei Damen für 300 Passagiere aus unserem Flieger sorgte schon für eine hohe Arbeitsbelastung und das bei der karibischen Hitze. Eine beleibte Dame in zivil schlenderte an mir vorbei und lehnte sich an einem Pfeiler der ihrem Gewicht standhalten sollte. Sie zeigte dann auf mich, lässig locker aber auch unmissverständlich! Du bist dran. Ich gab ihr mein Zollformular in dem ich einige Mitbringsel fürs Schiff und meiner Gitarre eingetragen hatte um Ärger aus dem Weg zu gehen. Sie schaute nur lässig darauf, riss ein Stück des Formulars ab und schicke mich Richtung Ausgang, aber irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass die Dame nur zufällig da war um ein bisschen ihrer kleinen Schwester bei der vielen Arbeit behilflich zu sein. Ich weiß es nicht!

Mein Gepäck war nun ins Land eingeführt und wieder frei zum erneuten Aufgeben für den letzten Flug von Tobago nach Trinidad, einen kleinen Hüpfer von 25 Minuten, wenn denn Gott so will.

Roland sollte 50 Minuten vor mir fliegen, doch sein Flieger hatte Verspätung. Bei meinem stand angeschlagen „On Time“, doch Roland beruhigte mich und meinte mein Flieger würde es auch nicht schaffen. Als sein Flieger endlich landete ging die Abfertigung recht flott, es war ja auch nur ein Inlandshüpfer über ein Ministück Atlantik.

Mein Flieger kam dann auch an, die Abfertigung dauerte etwas länger, es war ja auch schon spät am Abend und alle waren müde, da ist man nicht mehr so entscheidungsfreudig wer wann was wo macht. Doch irgendwann ging es dann doch los und man schlenderte locker zum Flieger, man wurde freundlich begrüßt und man bekam seinen Platz in der Propellermaschine. Rolands Flieger stand immer noch keine 100 m entfernt von uns, als es plötzlich hieß, das wir wieder aussteigen sollten. Auch die vordere Stewardess war mit der Situation überfragt. Wir stiegen also wieder aus und gingen nachdenklich zurück zum Terminal. Als Erklärung bekamen wir dann mitgeteilt, dass der andere Flieger kaputt sei und das die anderen Passagiere nun unseren Flieger bekommen und wir dann auf den nächsten warten sollen. Der Aufwand Gepäck und Passagiere noch mal aus und dann wieder einzupacken, erschien mir unverhältnismäßig, doch das muss man dann halt mit karibischer Gelassenheit hinnehmen. Ich stand dabei auch in ständiger Korrespondenz mit meinem Taxiunternehmer Jesse James der mich vom Flughafen in Port of Spain abholen sollte. In früheren Zeiten hätte er wohl den Revolver gezückt und ein paar unschuldige erschossen, doch nun kam nur ein ungläubiges „Wow, wow“ statt „Bumm, Bumm“über diese Geschichte zurück!

Nach 22 ein halb Stunden war ich dann nass geschwitzt auf meiner Tara, die mich warm feucht in ihrem Inneren empfing!

 

 

Der Tanz der Glühwürmchen

Tja, der Passatwind ist ja unser Freund mit ziemlich gleichmäßigen Luftstrom. Er wurde hunderte von Jahren genutzt um Handel zu treiben, als es nur Segelschiffe gab, (engl. Tradewind – Handelswind). Und auch wir Hobbysegler heute nutzen ihn um schnelle und sichere Seereisen zu machen. Auch kleinere Schiffe von 6 bis 7 Meter Länge schaffen mit ihm die Atlantiküberquerung in passablen Zeiten. Gegen den Passatwind zu segeln macht wenig Sinn, denn auch die Meeresströme ziehen mit ihm.

In der Karibik weht er aus Nordost bis Ost, aber auch nur in der Regel. Die geschützten Ankerbuchten liegen alle auf den Westseiten der karibischen Inseln.

Nun hatten wir zwei Tage mit einer Passatstörung zu kämpfen. Der Wind drehte auf West und die sicheren Ankerplätze wurden zu sehr ungemütlichen, nervenaufreibende Aufenthaltsorte.

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Der Schwell, getrieben vom Wind, wurde in den Ankerbuchten durch die niedrige Wassertiefe zu einer kurzen, steilen Welle aufgeworfen, die dann am Strand hart brandete und den halben Strand wegriss.

Unser Rolling Home, sonst ein sicherer Zufluchtsort, wurde zu einer schlingernden, knarrenden und klirrenden Behausung. Alles wurde durch gerüttelt und geschüttelt. Alles was lose war wurde hin und her geworfen oder schlitterte auf seinen Ablagen durcheinander. Selbst beim Kochen war es sicherer den Sicherheitsgurt anzulegen, um beide Hände frei zu haben um Töpfe und Pfannen zu sichern. Und an Schlaf war kaum zu denken. Das rütteln und schütteln betraf nicht nur die Ankerkette, sondern auch die Nerven waren davon betroffen und Stoßgebete wurden an die Götter verschickt um das Meer zu besänftigen.

Das schwere Ankergeschirr wurde auf seine Tauglichkeit getestet. Der Bug stampfte wie eigentlich auf See gegen die anrollenden Brecher an. Er wurde hochgerissen um dann wieder in das Wellental zu fallen. Die Schiffen machten schwer rollende Bewegungen und zwangen die Crews zur Ankerwache.

Gefährdend kam noch hinzu, das in die Bucht einlaufende Yachten, dem Rudelverhalten folgend, sich noch zwischen den bereits dicht gedrängten Yachten legen wollten. Wenn der Anker dann nicht gleich im Grund hält, treiben sie auf andere Schiffe und gefährden Besatzungen und beschädigen und Schiffe.

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In der Portsmouth Bay gibt es auch Mooringbojen an denen Yachten mit ihren Leinen hingen. Auf mehrere Yachten brachen die Festmacher und beschädigten andere Yachten als sie sich losrissen und herumtrieben, bis sie von den Crews wieder unter Kontrolle gebracht wurden. Manche Schiffe wurden dabei so beschädigt, dass sie ihre Reise nicht weiter fortsetzen konnten und zurück nach Martinique in die Werft mussten.

In der morgendlichen Funkrunde wurde die Wetterlage besprochen und ausführlich über die Schäden gesprochen.

Meine Idee, endlich den Beruf des Schiffsschaukelbremsers anzuerkennen und ihn auf den karibischen Inseln zu etablieren, fand großen Zuspruch und würde auch helfen die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Und so wurde, nachdem das Wetterphänomen durch war und die See sich wieder einigermaßen beruhigt hatte, beim abendlichen Sundowner die Idee des Schiffsschaukelbremsers weitergesponnen, während das Meer der Ankerlichter weiter am Himmel kreiste und sich wie tanzende Glühwürmchen verhielten.

Schlappen jagen im Schlappenladen

Wenn man(n) einigen Kabarettisten glauben schenken darf haben Frauen eine natürliche kapitalistische Neigung was die Bevorratung von Kleidern und Schuhen anbelangt, während wir Männer ja eher widerwillig Dinge ersetzen, solange das Alte von uns noch für gut erachtet wird. Auch da bin ich eigentlich nur der Überbringer dieser schlechten Nachrichten, wenn ich nicht so etwas schon mal am eigenen Leibe erfahren durfte.

Auch hier blicke ich wieder zurück auf Brasilien. Dort fielen vor allem die jungen deutschen Frauen auf, die verstärkt ihre kostbare Zeit damit zu verbringen schienen, sich um die Schlappen in den Schlappenläden zu sorgen. Sie schienen das Gefühl zu haben nicht genug von den günstigen Angeboten abzubekommen und gingen auf die Jagt. Dort wurde verglichen und begutachtet und zwischen den einzelnen Marken abgewägt. Welche Farbe passt zu welchem Kleid und zu welcher Hose. Welche sind für den Strand und welche für Gut. Und wenn man dann schon mindestens drei Paar Schlappen für unsere langen, folgenden zehn Sommer gekauft hat, musste die Familie und die Freunde für diesen Kaufzwang herhalten oder vielleicht aber auch um die eigene Begierde kleiner scheinen zu lassen.

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Da kam es vor, dass entzückt gefordert wurde doch noch mal drei Kilometer zurück zulaufen, da der eine Laden dort an der Ecke, zwischen den anderen Läden, in der Nähe der Favela, den gleichen Schlappen zehn Cent billiger verkaufen würde. Auf die Frage des Herren, ob es denn vielleicht möglich wäre bei 35 Grad dann doch ein klimatisiertes Taxi dorthin zu nehmen, wurde man spöttisch aufgeklärt, das dann ja der ganze Gewinn dahin sei. Eine Abwägung des Verschleißes des aktuellen Schuhwerks wurde nicht in Erwägung gezogen, die würden dann eh im überfüllten Schuhschrank zuhause weiter nach hinten geschoben, wo sie bis zu ihrer Materialermüdung dahin muffeln durften.

Ein gesunder Mittelweg wäre doch so schön. Wenn ich mir meine aktuellen Schlappen anschaue, dann sind die brasilianischen Schlappen doch aktuell mein bestes Schuhwerk. Ich bin ja auch der Meinung, wenn Kaufen, dann darf es auch schon das gute teure sein. Leider taugt das teure heute auch nur für eine Saison und da sind sich alle segelnden Männer einig. Ein Markenpaar kostet zehn mal soviel wie ein brasilianischer Markenschlappen oder vergleichsweise 50 philippinische Paar Schlappen.

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Die teuren Marken halten entweder der Hitze nicht stand oder der Kleber verliert hier schneller seine Weichmacher oder aber die Schweißfüße des Alten fressen den Weichmacher auf. Vielleicht ist es aber auch so, dass immer mehr nur eine bestimmte Haltwertzeit haben darf um weiter schnell gewinnbringend produzieren zu dürfen. Die Zufriedenheit des Kunden ist da auch gar nicht mehr so sehr gefragt, es Lebe der Kapitalismus – kaufen, kaufen, kaufen.

Ich habe bereits mehrere teure Schlappen entsorgt, das nächste folgt, den die Sohlen fangen an zu brechen und die anderen beiden teuren Restbestände habe ich schon selber geklebt und genäht. Und nun träume ich auch wieder von Brasilien, zur Bevorratung von neuen Schlappen.

Wasser!!!

Was wäre unsere Erde ohne Wasser? Sicher ein weiterer Planet im Universum ohne Leben, denn ohne dem kostbaren Nass kann nichts existieren. Die Erde wird zu gut zweidrittel von Wasser bedeckt, 97 % davon sind Salzwasser und nur ein Prozent davon ist direkt als Trinkwasser nutzbar, welches dann auch noch sehr ungleichmäßig und auch ungerecht verteilt ist.

Durch die Klimaerwärmung verstärken sich in vielen Regionen die Regenfälle, in anderen veröden immer mehr Landstriche, teilweise sind ganze Länder davon bedroht. Zudem steigt die Weltbevölkerung jährlich um ca. 80 Millionen Menschen, die dann geschätzte 64 Milliarden Kubikmeter Wasser zusätzlich jährlich verbrauchen. Der Natur werden mittlerweile mehr Wasser entnommen als sie bereitstellen kann.

In Deutschland verbrauchen wir ca. 127 Liter Wasser täglich, andere Regionen bringen es auf 200 Liter und mehr. Laut einigen Quellen im Internet reichen 20 Liter pro Kopf aus für ein gesundes Leben.

Und was hat das mit uns Seglern zu tun? Viel, wie ich meine. Denn die salzige Spielwiese ist unser zuhause. An Bord der Tara stehen mir täglich 5 bis 10 Liter Frischwasser zur Verfügung, auf langen Seestrecken nur 2 – 3 Liter. Klar könnte ich die Wasserhähne bis hinten aufdrehen, doch dann wäre der 320 Liter Tank schnell leer. Wasserbesorgung ist auch für uns Segler auf den Weltmeeren eine regelmäßige, teils mühselige Beschäftigung.

Direkt trinkbares Wasser ist manchmal schwer zu finden. Oft ist das Wasser in den Ländern die wir bereisen stark chlorhaltig, zudem kommt es oft aus fragwürdigen alten Leitungen. Dieses Wasser ist okay zum Duschen und Spülen, beim Zähneputzen hört es dann schon auf. Reines Trinkwasser ist teuer, in Brasilien kostete der Liter Wasser zwischen 12,5 Cent und 25 Cent pro Liter und Region. Das macht 40 bis 80 Euro pro Tankfüllung auf der Tara. In der Karibik liegen die Preise zwischen 30 und 90 Cent aus einer 5 Liter Trinkflasche. Wenn ich also den Wassertank damit voll machen würde lägen die Preise bei 96 bis 288 Euro. Auf einigen Inseln gibt es Tankboote, die das Wasser direkt ans Boot liefern, hier liegen die Preise zwischen 7 und 16 Cent, was wieder ein vertretbarer Preis für das kostbare Nass ist.

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Auf Itaparica, einer Insel in der Bucht von Salvador de Bahia in Brasilien füllte ich an einem Brunnen mein Wasser auf. Dort gab es das gesündeste und leckerste Wasser Brasiliens, wo man durch jeden Schluck täglich jünger werden sollte. Gesund und lecker war es auf jeden Fall und dann auch noch kostenlos. Hunderte Menschen holten dort täglich ihr Wasser. Ich schleppte 400 Liter Wasser an drei Tagen an Bord der vor Anker liegenden Tara, und das bei 35 Grad Hitze.

Dabei hatte ich nur den Bruchteil einer Vorstellung dessen, was in einigen Regionen der Welt Frauen und oft auch Kinder täglich leisten, wenn sie teils stundenlang laufen müssen um einen Kanister Süßwasser von einem Brunnen zu bekommen.

Bisher halte ich eine Seewasserentsalzungsanlage auf der Tara noch für unnötig, da ich vor diesem mehr an Technik scheue. Dazu sind die Preise für eine lohnende Anlage zu hoch. Anlagen die weniger als 40 Liter in der Stunde machen halte ich für zu klein und sind auch nicht wirklich günstig. Der Stromverbrauch der Anlagen liegt bei ca. 1 Ampere pro Liter pro Stunde, d.h. eine 50-Liter Anlage braucht auch ca. 50 Ampere in der Stunde. Das ist nicht wirklich aus unseren Batterien herausholbar, so dass immer der Motor mitlaufen muss, um über die Lichtmaschine den Strom zu erzeugen.. Größere Anlagen kommen dann schon wieder nicht ohne einen Stromgenerator aus, so dass die Technik immer mehr und immer teurer wird.

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Wenn ich also jeden Monat eine Tankfüllung für 50 Euro (16,5 Cent/Liter) kaufen müsste würde sich die Anlage nach 15 Jahren amortisiert haben, ohne die ganze Wartung, Filter und Ersatzteile.

Diesen Luxus an Wasser möchte ich mir nicht erlauben, so verführerisch er auch sein mag. Abertausende von Seglern sind um die Welt gezogen ohne so eine Anlage. Sie lebten sparsam mit dem Wasser was sie hatten und fingen z. B. Regenwasser auf, nutzten Quellen und Wasserfälle und waren damit der Natur wieder näher als wenn man einen Hebel umlegt und brennbare Fossile vergeudet, die wieder zur Klimaerwärmung beträgt.